Trinkwasser Verschmutzung 2020: Grundwasser stark mit Pestiziden belastet

Aktuelle Messergebnisse einer neuen Studie aus Schleswig-Holstein belegen: Deutschland zählt zu den größten Trinkwasserverschmutzern innerhalb der Europäischen Union.[1] Die erschreckenden Zahlen machen das Ausmaß der Rückstände von Pflanzenschutzmitteln deutlich.

Vielen von uns ist vielleicht gar nicht bewusst, wie stark Nitrate und Pflanzenschutzmittel unsere Böden und damit auch unser Grundwasser belasten. Der Verband der Wasserversorger schlägt jetzt Alarm. Denn neusten Untersuchungen zufolge wurden an 75 Prozent der Grundwasser Messstellen in Schleswig-Holstein Pestizidrückstände nachgewiesen. An vielen Stellen deutlich mehr, als die Grenzwerte erlauben.[2]

Leider nicht zum ersten Mal, denn bereits vor 4 Jahren gab es Warnungen von Experten, vor Pestizidbelastungen unseres Grundwassers. Mehr dazu erfahren Sie auch in unserem Blog Beitrag: Nitratbelastung im Grundwasser: im EU-Vergleich hält Deutschland den Rekord

Immer wieder werden Stimmen dazu laut, wie wir zum Beispiel in unserem Artikel 33.000 haben Agrarindustrie satt berichtet hatten.

Mit Pestiziden im Grundwasser steigt Gefahr der Pestizidverschmutzung unseres Trinkwassers!

Unser Trinkwasser ist gefährdet durch Verschmutzungen mit Nitrat und Pestiziden, die über die Äcker in das Grundwasser gelangen. Vielerorts erfolgt die Trinkwassergewinnung nicht nur in Schleswig-Holstein zu 100 Prozent aus Grundwasser.

Die flächendeckende Verunreinigung ist ein Ergebnis der jahrelangen falschen und lobbygeprägten Informationen sowie strategisch desaströsen Förderpolitik in der Landwirtschaft, in die die Agrarpolitik bis heute nicht eingreift. Aufgrund von Massentierhaltung gelangen Unmengen an Gülle auf die Äcker. Das heute in unserem Grundwasser enthaltene Nitrat, kommt hauptsächlich aus Misswirtschaft der Äcker, auf die unkontrolliert Gülle ausgebracht wird.

Neue Messresultate liefern erschreckende Ergebnisse zur Belastung des Grundwassers mit Rückständen aus Pflanzenschutzmitteln. Bundesländer wie Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Teile Bayerns gehören zu den Regionen mit Intensivtierhaltung und einem enormen Überschuss an mehr als 1 Millionen Tone Gülle.

 

 

Abbildung 1 - Quelle: Umweltbundesamt - https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/grundwasser/nutzung-belastungen/faqs-zu-nitrat-im-grund-trinkwasser#wie-ist-die-situation-in-deutschland, 2017

 

Trinkwasserversorger müssen bereits heute großen Aufwand betreiben und investieren, um das Trinkwasser aufzubereiten. Die Kosten dafür tagen die Verbraucher, nicht die Verursacher der Verschmutzung.

Neue Untersuchung – hohe Belastung an 75 Prozent der Messstellen in Schleswig-Holstein

Einer neuen Studie zufolge weisen von 232 Grundwassermessstellen, die das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) zwischen 2016 und 2018 in Schleswig-Holstein untersucht hat, 75 Prozent Belastungen mit Wirkstoffen von Pflanzenschutzmitteln auf.[3]

 

Abbildung 2 - Quelle: Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Scheswig-Holstein

 

Dabei wird von der Agrarindustrie seit Jahren verschwiegen, dass umfangreich Pestizide und Nitrat auf die Felder ausgebracht werden. Zu den Giften im Grundwasser äußert sich der Bauernverband mit Ignoranz: “ Die Gifte können auch von der Bahn oder Anstrichen von Hauswänden stammen.“

Allerdings zeigen europaweite Studien, wie die aus 2019 um Vera Silva von der Wageningen Universität in den Niederlanden, wie ernst das Problem der Pestizidrückstände, die über das Ackerland bis ins Grundwasser gelangen, ist.[4]

Umsätze, wie die in Schleswig-Holstein erbracht werden, mit rund 1,5 Mrd. Euro aus Tierhaltung (knapp 50 Prozent des gesamten landwirtschaftlichen Umsatzes) im Jahr 2019 scheinen in der Agrarpolitik wichtiger zu sein, als der nachhaltige Schutz von Grund- sowie Trinkwasser. Das Paradoxon: Bauern protestieren, weil sie weniger Pestizide zum Einsatz bringen sollen.

Der ehemalige Umweltminister Robert Habeck äußerte sich zu den Ergebnissen des Landesamt für Landwirtschaft wie folgt: „Pflanzenschutzmittel finden den Weg durch die Böden in unser Grundwasser – und zwar in einem durchaus relevanten Ausmaß. Da haben sie allerdings nichts zu suchen. Schleswig-Holstein beziehe sein Trinkwasser zu 100 Prozent aus dem Grundwasser. Diese Ressource darf nicht gefährdet werden. Eine Gebühr auf die Verwendung für Pflanzenschutzmittel könnte den Einsatz reduzieren. Wir untersuchen derzeit mögliche Modelle.“[5]

Godber Andresen, Biologe beim Landesverband der Wasser- und Bodenverbände bringt es auf den Punkt: „Die Sünden der Vergangenheit kann man nicht zurückdrehen. Aber man muss sich in Zukunft verstärkt Gedanken darüber machen, welche Stoffe eingesetzt werden, welche schnell genug abgebaut werden können, bevor sie ins Grundwasser gelangen.“[6]

Doch nicht nur in Schleswig-Holstein besteht das Problem der zunehmenden Grundwasserbelastung mit Nitrat und Pflanzenschutzmitteln, sondern weitere deutsche Bundesländer aber auch andere EU-Länder verzeichnen hohe Belastungen teilweise deutlich über den gesetzlichen Grenzwerten.

Lesen Sie auch unsere Blogbeiträge:

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Unser Fazit:
Unser Grundwasser wird durch Nitrat und Pestizide zunehmend verunreinigt. Der Agrar-Lobby muss dringend Einhalt geboten werden. Die Gefahr einer langfristigen Verunreinigung verbunden mit diversen Erkrankungen, Missbildungen und steigenden Krebsraten ist zu groß[7], um die Qualität unseres Trinkwassers leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Ein Umdenken kann bereits im eigenen Privathaushalt anfangen. Mit unseren WasserManufaktur Filteranlagen werden Nitrate und Pestizide, sowie andere Schadstoffe zuverlässig aus Ihrem Trinkwasser gefiltert. 

 



[1] Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR):Pflanzenschutzmittelrückstände im Grundwasser https://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/G/grundwasser/pflanzenschutzmittelGrundwasser.html, 2020

[2] Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR):Pflanzenschutzmittelrückstände im Grundwasser https://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/G/grundwasser/pflanzenschutzmittelGrundwasser.html, 2020

[3] Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR):Pflanzenschutzmittelrückstände im Grundwasser https://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/G/grundwasser/pflanzenschutzmittelGrundwasser.html, 2020

[4] ScienceDirect: Pesticide residues in Eurpoeanagricultual soils, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0048969718343420, 2019

[5] SHZ: "Pestizide belasten Grundwasser in SH, https://www.shz.de/regionales/schleswig-holstein/politik/pestizide-belasten-grundwasser-in-sh-id10090526.html, 2015

[6] SHZ: "Pestizide belasten Grundwasser in SH, https://www.shz.de/regionales/schleswig-holstein/politik/pestizide-belasten-grundwasser-in-sh-id10090526.html, 2015

[7] Bund.net: "Krank durch Pestizide: Nebenwirkungen der "Pflanzenschutzmittel", https://www.bund.net/themen/umweltgifte/gefahren-fuer-die-gesundheit/krank-durch-pestizide/, 2020

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