US-Studie: 100.000 Krebsfälle aufgrund Chemikalien im Leitungswasser?

Eine neue kumulative Risikoanalyse der Schadstoffe im Trinkwasser der Vereinigten Staaten für den Zeitraum 2010-2017 zeigt, dass über 100.000 Krebsfälle auf krebserregende Chemikalien im Leitungswasser zurückzuführen sein könnten.[1] Diese Studie ist die Erste mit einer kumulativen Bewertung des Krebsrisikos aufgrund von 22 krebserregenden Schadstoffen, die in der USA im Trinkwasser gefunden wurden. Sie macht deutlich, dass es für uns weltweit an der Zeit ist, uns nicht länger nur mit der Bewertung einzelner Stoffe auseinandersetzen, sondern uns der komplexen Cocktailwirkung (Zusammenspiel aller Stoffe) zu widmen.

Risikobewertungen konzentrierten sich bislang weltweit nur auf einzelne Stoffe, die zur Verunreinigung von Trinkwasser führen. Dazu wurden Untersuchungen für Stoffe wie Arsen oder Nitrat oder kleine Gruppen verwandter Chemikalien wie Desinfektionsnebenprodukte oder Metalle durchgeführt.

Trinkwasserverunreinigung – Risikobewertung anhand Cocktailwirkung

In der Fachzeitschrift Heliyon veröffentlichten Forscher der Environmental Working Group eine Studie, die sich in einem bislang noch nicht da gewesenem analytischen Rahmen bewegt und zeigt, dass es etwas wie „sicheres Leitungswasser“ nicht gibt.[2] Dazu berechneten sie die kombinierten gesundheitlichen Auswirkungen von 22 krebserregenden Stoffen (Karzinogenen) in 48.363 kommunalen Wassersystemen in den USA.

Die folgende Tabelle zeigt dabei alle untersuchten Verunreinigungen. Dabei könnte nach noch wesentlich mehr Stoffen gesucht werden:

 

Abbildung 1: Quelle, Heliyon, "Cumulative risk analysis of carcinogenic contaminants in United States drinking water", https://www.heliyon.com/article/e02314, S. 2, 2019

Der größte Teil des in der Studie ermittelten Krebsrisikos ist auf Schadstoffe wie Arsen, Desinfektions-Nebenprodukte sowie radioaktive Verunreinigungen zurückzuführen.

Dabei könnten der Studie zufolge die Krebsrisiken auf bundesstaatlicher und nationaler Ebene aufgrund von Wasserverunreinigungen ähnlich hoch ausfallen, wie die im Zusammenhang mit Schadstoffen in der Luft.

Sydney Evans, ein wissenschaftlicher Autor der Studie betont dabei: "Trinkwasser enthält komplexe Verunreinigungen, aber Regierungsbehörden bewerten die Gesundheitsgefahren von Schadstoffen im Leitungswasser bislang lediglich einzeln. Im Alltag sind die Menschen allerdings komplexen chemischen Cocktails ausgesetzt, daher ist es wichtig, dass wir beginnen, die gesundheitlichen Auswirkungen zu bewerten, indem wir das vollständige Zusammenspiel diverser Schadstoffe betrachten."[3]

Globales Problem: Die Gefahr von verunreinigten Trinkwasser betrifft uns alle

Chemische Substanzen gelangen weltweit durch Desinfektions-, Kontrast-, Reinigungsmittel, Medikamente, Pestizide und vieles mehr in unsere Umwelt und als Spurenstoffe auch in unser Wasser. Diese Spurenstoffe setzen sich aus zahlreichen Substanzen zusammen, deren Zusammenspiel und komplexe Auswirkungen auf den menschlichen Organismus bislang kaum erforscht sind.

Mehr dazu lesen Sie auch in unserem Blogbeitrag: Neuartige und teilweise noch unbekannte Spurenstoffe im Wasser

Die Studie aus der USA zeigt, dass es sich hier höchstwahrscheinlich um ein globales Problem handelt. Wir sollten also in Deutschland nicht glauben, dass es uns noch nicht betrifft bzw. betreffen wird.

Mehr erfahren Sie auch in unseren Blogbeiträgen:

Chemiekeule in unserem täglichen Trinkwasser?

Per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) im Wasser

Pestizide im Trinkwasser

Das macht auch ein Fachartikel aus dem Jahr 2010 von Prof. Dr. rer. nat. K. Kümmerer deutlich, der darauf hinweist:

„Die Qualität des Wassers wird durch den Eintrag an sog. Spurenstoffen zunehmend bedroht. Bei den „neuartigen Spurenstoffen“ handelt es sich um eine Vielzahl an Stoffen mit chemisch sehr heterogenen Eigenschaften. Eine technische Elimination im Rahmen der erweiternden Abwasserreinigung ist daher nicht ausreichend wirksam und stellt auf lange Sicht keine nachhaltige Lösung dar. Spurenstoffe im aquatischen Wassernutzungskreislauf werden in Zukunft eine der größten Herausforderungen für ein nachhaltiges Wassermanagement sein.“ [4]

Die Wissenschaftler der Environmental Working Group fordern in Ihrer aktuellen Studie zum Handeln auf: „Die Verbesserung der Wasserqualität am Wasserhahn und Investitionen in Maßnahmen zum Schutz der Quellgewässer bieten Möglichkeiten zum Schutz der öffentlichen Gesundheit und zur Verringerung der potenziellen Krankheitshäufigkeit aufgrund von Umweltverschmutzung.“[5]

Unser Fazit: Eine wertvolle Studie! Doch leider steht die Environmental Working Group mit diesen Forschungsergebnissen noch ganz am Anfang. Solange weltweit weiter komplexe Cocktails aus einer Vielzahl an Spurenstoffen in unser tägliches Trinkwasser gelangen, können Haushalte nur selbst mit einem eigenen Wasserfiltersystem aktiv werden.



[1] Vgl. Heliyon, "Cumulative risk analysis of carcinogenic contaminants in United States drinking water", https://www.heliyon.com/article/e02314, 2019

[2] Vgl. GreenMedInfo, „Why There is No Such Thing as 'Safe' Tap Water“, https://www.greenmedinfo.com/blog/why-there-no-such-thing-safe-tap-water, 2019

[3] GlobalResearch: "Study Estimates More than 100,000 Cancer Cases Could Stem from Contaminants in Tap Water",https://www.globalresearch.ca/study-estimates-100000-cancer-cases-contaminants-tap-water/5689861, 2019

[4] Prof. Klaus Kümmerer: „Neuartige Spurenstoffe im Wasser“, http://www.wassermanufaktur.com/media/pdf/f6/86/20/Neuartige-Spurenstoffe-im-Wasser-Prof-Kuemmerer.pdf, 2010

[5] Heliyon, "Cumulative risk analysis of carcinogenic contaminants in United States drinking water", https://www.heliyon.com/article/e02314, 2019

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