Pestizid Chlorothalonil verunreinigt Trinkwasser in der Schweiz großflächig

Eine aktuelle Untersuchung des Bundesamts für Umwelt (Bafu) belegt die starke Belastung des Grundwassers und somit auch einen großen Anteil des Trinkwassers (80 % des Trinkwassers in der Schweiz ist Grundwasser) mit Abbau-Produkten, des seit Januar 2020 verbotenen Pestizids Chlorothalonil (auch Chlorthalonil). Dabei spricht das Bafu von einer „erheblichen Verunreinigung“[1]. Welche schwerwiegenden Auswirkungen kann Chlorothalonil auf den menschlichen Organismus haben und wie reagieren Bafu und andere Fachstellen?

 

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Was ist Chlorothalonil?

Das Bundesamt für Landwirtschaft erteilte bereits in den 70er Jahren Chlorothalonil die Zulassung, um in Fungiziden Pflanzenschutzmitteln gegen Pilzerkrankungen zu wirken. Dabei werden die Eigenschaften als nicht-systemisches Blattfungizid mit protektiven Effekten für die Pflanzen unter Handelsnamen wie Daconil, Termil, Bravo oder Exotherm genutzt[2]. Allein in der Schweiz wurden in der Vergangenheit davon jedes Jahr etwa 30 Tonnen auf den Feldern verteilt.[3]

Die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) erstellte 2018 einen Report zur Risikobewertung von Chlorothalonil. Darin wurde das Mittel als gering akut toxisch eingestuft, wenn es oral oder dermal aufgenommen wird. Allerdings bildeten Mäuse sowie Ratten in Tierversuchen Tumore an den Nieren unter Chlorothalonil Zufuhr aus. Aus diesem Grund wird Chlorothalonil verdächtigt auch für uns Menschen krebserregend zu wirken.[4]

Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) äußerte sich wie folgt dazu: „Abbauprodukten von chlorothalonilhaltigen Pflanzenschutzmitteln kann eine Gesundheitsgefährdung nicht ausgeschlossen werden. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat daher Einsatz von Chlorothalonil mit Wirkung auf den 1. Januar 2020 verboten. Die Muttersubstanz Chlorothalonil wird neu als wahrscheinlich krebserregend beurteilt. Gemäß Europäischem Leitfaden, der auch in der Schweiz angewendet wird, gelten aufgrund dieser Beurteilung alle Abbauprodukte als relevant - ungeachtet der Verfügbarkeit von Studien zu Metaboliten, welche einen krebserzeugenden Effekt dementieren.“[5]

Grenzwerte für Chlorothalonil deutlich überschritten

Bereits im Dezember 2019 warnte das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) vor den Abbaustoffen, die auch als Metaboliten bezeichnet werden, des Pflanzenschutz-Fungizids Chlorothalonil und nahm die Einstufung als Trinkwasser-relevant vor. Dabei gilt eine Höchstkonzentration von 0.1 Mikrogramm pro Liter für Trinkwasser (hier identisch mit der Höchstgrenze im Grundwasser). In 12 Schweizer Kantonen wurde dieser Grenzwert jedoch deutlich überschritten.[6]

Quelle: BAFU, https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/wasser/dossiers/chlorothalonil-metaboliten-im-grundwasser.html, Mai 2020

An einzelnen Messstellen wurden sogar Konzentrationen von mehr als 1 Mikrogramm pro Liter gemessen. Hochrechnungen dazu haben ergeben, dass mehr als der Hälfte aller Messstellen den Wert von 0.1 Mikrogramm pro Liter deutlich überschreiten.[7]

In der Schweiz gilt laut: Verordnung des EDI über Trinkwasser sowie Wasser in öffentlich zugänglichen Bädern und Duschanlagen TBDV „Grundwasser, das als Trinkwasser genutzt wird oder dafür vorgesehen ist, muss so beschaffen sein, dass es nach Anwendung einfacher Aufbereitungsverfahren die Anforderungen der Lebensmittelgesetzgebung einhält (Gewässerschutzverordnung GSchV). Daher gilt der Höchstwert der TBDV auch als Grenzwert («numerische Anforderung») für Grundwasser.“[8]

Wie geht das BAFU und andere Fachstellen weiter vor?

Erst für Sommer 2020 wird das Bundesamt für Umwelt BAFU für die Schweiz für den Metaboliten Chlorothalonil R417888 ein Langzeit-Monitoring vorlegen, dass alle Datensätze aus rund 550 NAQUA-Messstellen offenlegt. Darüber hinaus sind weitere Forschungen rund um die Konzentration von Chlorothalonil im Trinkwasser angelaufen, die von kantonalen Fachstellen sowie Wasserversorgern unterstützt werden.[9]

Unser Fazit: Grundwasser regeneriert sich relativ langsam. Metaboliten von Chlorothalonil gelten als besonders langlebig und könnten somit die Qualität des Grundwassers noch auf Jahre beeinträchtigen.

Solange hier keine Klarheit herrscht und keine entsprechenden Maßnahmen zum Schutz der Menschen vor Verunreinigungen des Trinkwassers mit dem Metabolit vorgenommen worden sind, liegt die Verantwortung bei jedem einzelnen Haushalt selbst. Lesen Sie mehr über die Möglichkeiten der Wasserfilterung für Ihr Zuhause.



[1] Bundesamt für Umwelt BAFU Schweiz: "Chlorothalonil-Metaboliten im Grundwasser: Erste Einschätzung der gesamtschweizerischen Belastung", https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/wasser/dossiers/chlorothalonil-metaboliten-im-grundwasser.html, Mai 2020

[2] Vgl. Thomas A. Unger: Pesticide Synthesis Handbook. William Andrew, 1996, ISBN 0-8155-1853-6, S. 819

[3] Vgl. Angelique Beldner: Verbot kommt im Herbst – Krebserregendes Pestizid im Schweizer Trinkwasser. In: srf.ch. 20. Juni 2019, abgerufen am 22. Juni 2019.

[4] Vgl. Maria Arena, Domenica Auteri, Stefania Barmaz, Giulia Bellisai, Alba Brancato: Peer review of the pesticide risk assessment of the active substance chlorothalonil. In: EFSA Journal. Band 16, Nr. 1, 2018, S. e05126, doi:10.2903/j.efsa.2018.5126.

[5] Bundesamt für Lebensmittesicherheit und Veterinärwesen Schweiz, "Chlorothalonil", https://www.blv.admin.ch/blv/de/home/lebensmittel-und-ernaehrung/lebensmittelsicherheit/stoffe-im-fokus/pflanzenschutzmittel/chlorothalonil.html, April 2020

[6] Vgl. Schweizerbauer.ch: "Chlorothalonil: Wasser in 12 Kantonen belastet", https://www.schweizerbauer.ch/pflanzen/pflanzenschutz/chlorothalonil-wasser-in-12-kantonen-belastet-57367.html, Mai 2020

[7] Vgl. Bundesamt für Umwelt BAFU Schweiz: "Chlorothalonil-Metaboliten im Grundwasser: Erste Einschätzung der gesamtschweizerischen Belastung", https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/wasser/dossiers/chlorothalonil-metaboliten-im-grundwasser.html, Mai 2020

[8] Verordnung des EDI über Trinkwasser sowie Wasser in öffentlich zugänglichen Bädern und Duschanlagen (TBDV), https://www.admin.ch/opc/de/official-compilation/2017/1023.pdf, 2016

[9] Vgl. Bundesamt für Umwelt BAFU Schweiz: "Chlorothalonil-Metaboliten im Grundwasser: Erste Einschätzung der gesamtschweizerischen Belastung", https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/wasser/dossiers/chlorothalonil-metaboliten-im-grundwasser.html, Mai 2020

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