Weltweite Bedrohung durch Resistenzen: Antibiotikaresistente Erreger in unseren Klärwerken?

In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sorgen resistente Krankheitserreger weltweit für Problemstellungen, denn die Erreger reagieren resistent zum Beispiel auf die gängigen Antibiotika. Eine aktuelle Studie verdeutlicht nun die Belastung unserer Klärwerke mit Resistenzen.

Antibiotikaresistente Erreger stellen ein großes Problem für die Medizin dar. Zahlreiche Krankheitserreger reagieren nicht mehr auf die Medikamente. „Antibiotikaresistente Bakterien und ihre Widerstandsgene breiten sich weltweit unter Menschen, Lebensmitteln, Tieren, Pflanzen und in der Umwelt (Boden, Wasser und Luft) aus“[1], mit möglichen, verehrenden Folgen.

Überblick zur Studie – Antibiotikaresistenzen in europäischen Klärwerken

Ein Expertenteam aus Finnland ist im Rahmen einer aktuellen Studie der Fragestellung nachgegangen, wie sich die derzeitige Verbreitung von antibiotikaresistenten Erregern am besten nachvollziehen lässt. Ihre Antwort findet sich in der Studie „Antibiotic resistance in European wastewater treatment plants mirrors the pattern of clinical antibiotic resistance prevalence“[2] – durch die genaue Untersuchung von Klärwerken.

Im Rahmen der europäischen Vergleichsstudie untersuchte das Wissenschaftlerteam um Katariina M. Pärnänen der finnischen Universität in Helsinki sowie David Kreis der deutschen Technischen Universität in Dresden die Belastung von Klärwerken mit Resistenzen in 7 Ländern – in Portugal, Spanien, Irland, Zypern, Deutschland, Finnland und Norwegen.

Ergebnis der Studie: in allen Kläranlagen finden sich Resistenzen

Die Wissenschaftler konnten zunächst zeigen, dass insbesondere hochmoderne Klärwerke die Verbreitung von Resistenzen reduzieren können. [3]

Jedoch wurden in allen getesteten Klärwerken Antibiotikaresistenzen nachgewiesen. Dabei wurde ein Süd-Nord-Gefälle deutlich, bei dem im Süden Europas die Belastung deutlich höher war, als in Deutschland und den anderen Staaten im nordeuropäischen Raum. Eine Ausnahme stellte Irland da, hier fiel die Belastung ebenfalls höher aus.

Die Studienergebnisse spiegeln u. a. auch den Fakt wider, dass im Süden Europas mehr Antibiotika verschrieben werden.

Die gefundenen Resistenzen decken sich mit denen, die auch in Krankenhäusern für Probleme sorgen. Darunter u. a. Escherichia coli, Klebsiella pneumoniae, Pseudomonas aeruginosa und Staphylococcus aureus.

Die Studie zeigt, dass die Belastung mit Erregern durch Klärwerke reduziert werden kann, dennoch entlassen alle geprüften Klärwerke noch Resistenzen in die Umwelt. Derzeit ist die Belastung des geklärten Wassers in den Ländern Südeuropas und Irlands höher, als in den drei nördlich gelegeneren Ländern.

Wissenschaftler David Kneis betont, dass die Menge der Antibiotikaverordnungen nicht der einzige Grund für diese Ergebnisse ist.

Auch andere Faktoren spielten eine Rolle, wie etwa:

  • die Höhe der Niederschläge
  • das Ausmaß der Antibiotikavergabe an Tiere in der Landwirtschaft
  •  die Größe der Kläranlagen
  • „sowie die Temperaturen
    , denn die die optimalen Überlebenschancen für viele der Bakterien, die im menschlichen Verdauungstrakt leben, ist eine Temperatur von mehr als 30 Grad. Daher ist es nicht überraschend, dass diese Bakterien in der Umwelt von wärmeren Regionen besser überleben.“[4]

Die Ergebnisse der Studie machen die Notwendigkeit, regelmäßiger Überwachungs-und Kontrollmaßnahmen, die möglicherweise je geografischer Regionen besonders geeignet sein müssen, deutlich.[5]

Antibiotika-Krise weltweit

Nicht nur die aktuelle europäische Studie zeigt die Problematik der Resistenzen. Weltweit wird bereits von einer Antibiotika-Krise gesprochen, die eine Dokumentation im Auftrag des ZDF aufgreift.[6]

Darin wird deutlich, wie bedroht wir davon sind, dass antibiotika-resistente Keime zur weltweiten Todesursache Nr. 1 werden. Die Ärzte der Dokumentation "Resistance Fighters" arbeiten seit Jahren mit Wissenschaftlern, Diplomaten aber auch Patienten daran, konkrete Lösungsansätze durchzusetzen, die dieser Entwicklung entgegenwirken können.

Die Fakten der Experten:

  • bis 2050 wird sich die Zahl der Todesopfer durch antibiotika-resistente Keime verzehnfachen
  • Erreger könnten jährlich rund 10 Millionen Menschen töten


Sie zeigen, wie sich durch die massenhafte Nutzung von Antibiotika in der Tiermast resistente Keime unkontrolliert in der Umwelt ausbreiten.

Darüber hinaus decken sie auf, dass sich immer mehr Konzerne aus der Antibiotikaforschung zurückziehen, weil immense Entwicklungskosten und zunehmende Resistenzen auch bei neuen Antibiotika das Geschäft nicht mehr kontrollierbar machen.

Die Dokumentation macht deutlich: unkontrollierte Antibiotikaresistenzen sind eine der größten globalen Herausforderungen unserer Zeit!

Aber auch andere Studien wie der TECHNICAL REPORT: "The bacterial challenge: time to react" machen deutlich, dass es für uns höchste Zeit ist auf die Entwicklung zu reagieren. Der Technical Report bringt es in seiner Zusammenfassung deutlich auf den Punkt.

  • Es besteht eine große Lücke zwischen der Belastung durch Infektionen durch multiresistente Bakterien und der Entwicklung neuer Antibiotika, um das Problem anzugehen.
  • Die Resistenz gegen Antibiotika ist unter Gram-positiven und Gram-negativen Bakterien, die beim Menschen schwere Infektionen verursachen, hoch.
  • Die Resistenz unter bestimmten Gram-negativen Bakterien nimmt zu.
  • Infektionen, die durch multiresistente Bakterien verursacht werden, sind mit übermäßiger Morbidität und Mortalität verbunden.
  • Infektionen, die durch multiresistente Bakterien verursacht werden, sind mit erheblichen Mehrkosten verbunden.
  • Nur sehr wenige antibakterielle Wirkstoffe mit neuen Wirkmechanismen sind in der Entwicklung, um der Herausforderung der multiresistenten Resistenz zu begegnen.
  • Es besteht ein besonderer Mangel an neuen Wirkstoffen zur Behandlung von Infektionen durch multiresistente Gram-negative Bakterien.
  • Es braucht eine europäische und globale Strategie, um diese Lücke zu schließen …[7]


[1] Studie: Antibiotic resistance in European wastewater treatment plants mirrors the pattern of clinical antibiotic resistance prevalence, Katariina M. Pärnänen, Carlos Narciso-da-Rocha, David Kneis, Thomas U. Berendonk, Damiano Cacace und weitere, https://advances.sciencemag.org/content/5/3/eaau9124 März 2019

[1] Vgl. „In Südeuropas Kläranlagen sind häufiger Antibiotikaresistenz-Gene zu finden“ https://www.welt.de/gesundheit/article190956039/Studie-Resistenzen-in-Klaeranlagen-Wasser.html, 2019

[2] Studie: Antibiotic resistance in European wastewater treatment plants mirrors the pattern of clinical antibiotic resistance prevalence, Katariina M. Pärnänen, Carlos Narciso-da-Rocha, David Kneis, Thomas U. Berendonk, Damiano Cacace und weitere, https://advances.sciencemag.org/content/5/3/eaau9124 März 2019

[3] Vgl. „In Südeuropas Kläranlagen sind häufiger Antibiotikaresistenz-Gene zu finden“ https://www.welt.de/gesundheit/article190956039/Studie-Resistenzen-in-Klaeranlagen-Wasser.html, 2019

[4] Studie: Antibiotic resistance in European wastewater treatment plants mirrors the pattern of clinical antibiotic resistance prevalence, Katariina M. Pärnänen, Carlos Narciso-da-Rocha, David Kneis, Thomas U. Berendonk, Damiano Cacace und weitere, https://advances.sciencemag.org/content/5/3/eaau9124 März 2019

[5] Vgl. Welt, https://www.welt.de/gesundheit/article190956039/Studie-Resistenzen-in-Klaeranlagen-Wasser.html , 2019

[6] Vgl. https://www.arte.tv/de/videos/072494-000-A/resistance-fighters/, 2019

[7] "The bacterial challenge: time to react" https://ecdc.europa.eu/sites/portal/files/media/en/publications/Publications/0909_TER_The_Bacterial_Challenge_Time_to_React.pdf, 2019

 

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